/ September 5, 2019/ Mamis Welt

Es müssen nicht immer, auf den ersten Blick weltbewegende Dinge sein, die uns an unsere Grenzen bringen. Einem den Boden unter den Füßen wegreißen. Oder einem schlichtweg verzweifeln lassen. So wie es nicht nur schwarz oder weiß gibt, sind wir nicht immer nur überglücklich oder todtraurig. Maßlos unzufrieden oder himmelhochjauchzend. Oft sind es kleine Dinge, die uns belasten, stören, überfordern. Kleinigkeiten mit denen wir hadern, die uns traurig machen, oder vielleicht sogar einschränken. Die uns an uns zweifeln lassen. Uns verunsichern.

Wir haben vielleicht aufgehört Auto zu fahren, weil wir vor ein paar Jahren fast einen Unfall gehabt hätten. Sind in der Partnerschaft unglücklich, oder verstehen einfach nicht, warum immer alles an uns hängen bleibt. Trauen uns nicht mehr in ein Flugzeug zu steigen, seitdem wir die Tragödie vom Absturz gelesen haben. Vielleicht haben wir auch irgendwann damit angefangen, die Welt da “Draußen” etwas zu meiden oder uns davon, bewusst, oder unbewusst, ein bisschen zurück gezogen. Fühlen uns plötzlich, einem merkwürdig, bedrohlichen Gefühl ausgeliefert, sobald wir unsere vertraute Familien-Umgebung verlassen. Kommen gar nicht mehr auf die Idee, einmal alleine etwas mit Freundinnen zu unternehmen. Oder wir schleppen vielleicht noch aus unserer Kindheit, Ballast, der uns einfach nicht loslassen will, mit.

Die viele Arbeit, der Spagat zwischen Familie und Karriere, auch das kann uns aussaugen. Daneben wollen aber auch Freundschaften gepflegt, Bekanntschaften beachtet und private Familienverpflichtungen erfüllt werden.

Es kann auch sein, dass wir eigentlich schon gerne viel mehr Zeit für uns selbst hätten. Doch das Gefühl haben, immer wieder auf der Strecke zu bleiben. In der letzten Reihe zu stehen. Aber uns selbst, aus Verantwortungsbewusstsein unseren Kindern und Familien gegenüber, getrieben von schlechtem Gewissen, keine Auszeiten mehr gönnen. Wir ziehen uns dann vielleicht immer mehr zurück und beginnen, uns immer weniger zuzutrauen. Dann erst recht, hören wir immer mehr damit auf, unser Leben mit Dingen zu füllen, die uns einst Freude bereitet haben. Für uns Ausgleich waren. Oder uns einfach nur gut getan haben. Oft ganz unbewusst, unbemerkt und schleichend.

Vielleicht gibt es auch gar keinen speziellen Grund. Vielleicht haben wir einfach den Mut zu träumen verloren. Oder führen grundsätzlich gar kein unglückliches Leben, fühlen aber trotzdem, dass etwas nicht im Gleichgewicht ist.

Tief in uns spüren wir vielleicht schon, dass etwas nicht stimmt. Zumindest wenn wir uns ehrlich hinhören trauen. Vor der inneren Wahrheit keine Angst haben. Uns die Situation selbst, nicht schönreden wollen. Und manchmal ist uns selbst vielleicht auch gar nicht bewusst, was mit uns “passiert” ist. Wie sehr wir uns verändert haben. Oder, dass die Gefühle und Gedanken die uns beschäftigen, und vielleicht auch lähmen, mehr Aufmerksam brauchen würden. Dass wir auf eine gewisse Art und Weise leiden.

Es fühlt sich manchmal vielleicht leer, lustlos, oder einfach nur traurig an. Weil ja ohnedies, alles läuft. Weil eben, alles laufen muss. Ein Blick nach links, oder nach rechts, wäre somit ohnedies nicht möglich. Familie, Job, Haushalt, Kontostand, Verpflichtungen – wie sollen wir uns da auch noch um uns kümmern? Vom Leben unfair behandelt, der Realität ausgeliefert, doch “The show must go on!”

Dass alle anderen, die oft noch so viel mehr als wir leisten, das alles problemlos unter den Hut bringen, kann wohl nur zeigen, dass es an uns liegt. Wir überfordert sind. Und das macht uns nicht nur traurig, sondern ist uns auch irgendwie unangenehm. Vielleicht schämen wir uns dafür sogar ein Stück weit. Frau sein, Mutter sein, einen Haushalt führen, erfolgreich im Job – die einfachste Sache der Welt, bekommen nur wir, nicht auf die Reihe! Oder eben nicht so, wie es sein müsste. Schlimm genug, dass es so ist, soll unser Versagen bloß keiner wissen.

Vielleicht bemerken die Anderen, dass wir ruhiger als sonst sind. Oder gereizter. Auf vieles, plötzlich nicht mehr so richtig Lust haben. Und am liebsten oft einfach nur alleine wären. Weil wir müde sind. Weil es befreiend ist, einfach mal nichts tun zu müssen. Weil uns viele Dinge einfach überhaupt nicht mehr interessieren. Weil wir uns, vielleicht nicht mehr richtig für uns selbst interessieren? Aber hey, “Uns geht’s gut, danke! Alles wunderbar!”

Und manchmal kommen dann vielleicht einfach mehrere dieser Faktoren zusammen und zwingen uns in die Knie. Wir schaffen es dann nicht mehr die heile Welt vorzuspielen, oder zumindest nicht in allen Lebensbereichen. Gewisse Gedanken beschäftigen uns immer mehr. Gewisse Gefühle können wir nicht mehr verleugnen. Ob wir nun möchten, oder nicht, sind wir gezwungen hinzuschauen. Tief in uns spüren wir, dass etwas nicht passt. Wir eine große Unzufriedenheit leben. Oder eine große Überforderung besteht. Oder uns etwas, egal was auch immer es sein mag, sehr beschäftigt und mitnimmt. Dass wir ein Problem haben.

Es ist nicht wichtig, wie dieses Problem heisst, sondern dass es sich ändert. Dass wir es ändern! Es uns eingestehen. Wir daran arbeiten. Schlichtweg weil es so nicht mehr weiter gehen kann. Es so nicht mehr weitergehen darf. Aus Liebe zu uns!

Es ist auch nicht wichtig, ob dieses Problem für andere nachvollziehbar ist. Ob es groß, oder klein ist. Oder als unwichtig eingestuft wird. Sobald es uns damit schlecht geht. Es uns einschränkt, sind wir es uns schuldig, uns darum anzunehmen. Weil wir es uns selbst wert sein müssen. Wir spüren wahrscheinlich am Besten, welche Schritte am Sinnvollsten sind. Welche Schritte notwendig sind. Welche Schritte möglich sind. Wann der Zeitpunkt ist, sich Hilfe zu holen. Oder einfach Mal nur eine Auszeit zu nehmen. Ob es vielleicht reicht, regelmäßiger Pausen zu machen, oder ob man sich einfach mitten in einer Selbstfindungs-Phase befindest. Möglicherweise brauchen wir auch nur einen Ausgleich zum stressigen Alltag. Wichtig ist nur, dass wir auf uns hören. Uns wirklich ehrlich hinhören trauen!

Das Leben bringt uns manchmal vom Weg ab, damit wir wieder den richtigen Weg finden. Mich hat das Leben im August 2019 nach Korfu geführt. Um mir zu zeigen, dass es an der Zeit ist, etwas zu ändern. Mehr auf mich zu schauen! Und zwar wirklich, und nicht nur oberflächlich im Außen. Mich selbst so zu behandeln, wie ich es verdient habe. Nämlich mit Liebe, Achtsamkeit und Respekt. Mich, meinem Weg zu stellen. Mich, mir zu stellen.

Fortsetzung folgt ………

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