Stillprobleme, Wochenbett-Depressionen, Hautausschläge – die Gesprächsthemen meiner Freundinnen und mir hatten sich schlagartig geändert. Waren sie doch alle plötzlich Mami geworden und im Hormonrausch der Muttergefühle. Alle, außer mir! So wunderschön nett, die ganzen Babyfotos und Kinder-Geschichten auch waren, so froh war ich dann immer, wenn wir endlich wieder Real-Life Themen behandelten. Aber das konnte dauern! Denn zuerst musste ich jedes Mal das ganze Gesudere über Schluckimpfungen, Beißringe und Kinderspielplätze über mich ergehen lassen. “Ja, ich habs gesehen, er kann schon gehen. Toll! Aber ist dir gestern bei Grey’s Anatomy zufällig dieser mega süße heiße Arzt aufgefallen? Phuuuuu einfach nur hot!”

 

Öko-Sandalen tragende Mamis, die Babybreis ausschließlich selber herstellen und schon während der Schwangerschaft einen Babysprachkurs besuchen, waren mir schon jeher suspekt.

 

 

Irgendwie durchgeknallt und merkwürdig

Und plötzlich war ich umgeben von diesen Wesen. Während wir bis vor kurzem noch exzessive Tequila Sessions zusammen feierten, fanden die Party-Highlights ab nun zwischen Mickey Mouse Luftballons und Spinat spuckenden Kindern statt. Herrlich! Einfach herrlich. So wie Schnupfen oder Fensterputzen.

 

Ja es war richtig nervig und öde. So als ob du einem Massai-Krieger immer und immer wieder von veganen Aufstrichen und Speisen vorschwärmst, während er gerade als Mutprobe, einen jungen Löwen erlegt.

 

Umso größer war dann die Verwunderung, als auch wir schwanger wurden.

 

Ihr? Na servas ……!

Während Oma und Opa zu diesem Zeitpunkt bereits jegliche Hoffnung aufgegeben hatten und ihren unerfüllten Großelternwunsch bereits mit zwei Landschildkröten kompensiert hatten, war es auch für mich an der Zeit Mami zu werden. Aber im Gegensatz zu meinen Mädls natürlich eine coole Mami.

 

Eine Mami, die auch mit Kind noch mit beiden Beinen im Leben steht. Die alles im Griff hat und das Ding rockt. Weder würde ich vor Rührung weinen, wenn ich eine Kinderkritzel-Zeichnung bekomme, noch würde ich jahrelang in der Karenz zuhause sitzen und nur Windeln wechseln und Baby-Bla-Bla sprechen. NEIN! Ich bin anders, ich bin modern! Ein Jahr Elternzeit und dann ab in die Kinderkrippe. Immerhin gibt es nicht umsonst geschultes Personal für diese kleinen Menschlein, denen man noch alles lernen muss. Und mit einem Jahr wird er (ja, es wird ein Junge! Zum Glück erspare ich mir diese fürchterlichen Puppen-Dinger) dann wohl schon in der Krippe bleiben können.

 

Wenn ich 40 Stunden schaffe, wird er das wohl auch.

Immerhin ist er dann eh schon 15 Monate alt und groß genug. Es werden so viele tolle Sachen mit den Kindern gemacht, dass die 9 Stunden in der Krippe eh wie im Flug vergehen werden. Denn im Gegensatz zu meinen Freundinnen, werde ich sicherlich keine Glucken-Mami sein. Das Kind mit 3 noch immer in der Gegend herum zu tragen oder ein Familienbett zu haben. Na bin ich wahnsinnig? Ich möchte doch auch noch ein Liebesleben haben. Kommt überhaupt nicht in Frage!

 

Und genau so ist es dann natürlich auch gekommen! Zumindest fast! Also ansatzweise…… Als erstes habe ich nach der Geburt meine Elternzeit verlängert, denn um nichts auf der Welt hätte ich mein kleines Baby mit 15 Monaten fremdbetreuen lassen wollen. Es hätte mir das Herz gebrochen. Allen Müttern, die dazu gezwungen sind, zolle ich meinen vollen Respekt. Während wir vormittags eine Pikler-Spielgruppe besuchten, habe ich nachmittags mein Geschick bei der Herstellung von Karottenbrei & Co versucht. Begabung mittelmäßig. Der erste Schritt, das erste Wort, der ganzen Welt habe ich aufgeregt davon erzählt und bin vor Stolz fast geplatzt. Bei der Kindergarten-Eingewöhnung habe ich mehr als Lausi geweint und seine Kunstwerke hängen im gesamten Haus.

 

Auch nach mittlerweile 4,5 Jahren wird unser Bett noch fast jede Nacht zum Familienbett und ich gehe nach wie vor Teilzeit arbeiten. Ein einziges Mal hat unser Zwerg bisher auswärts geschlafen, während ich minütlich auf mein Handy geschaut und fast den ganzen Baldrianvorrat aufgebraucht habe. Ja, das Mami sein hat mich verändert! Manche würden mich Glucke nennen, völlig egal, ich genieße es in vollen Zügen. Wie naiv und ahnungslos ich doch ohne Kind war! Sorry Mädls, ich hatte damals einfach keine Ahnung, wie wunderschön und aufregend das Leben mit Kind werden würde und wie sehr man sich als Mensch verändern kann.

 

Aber Öko-Sandalen habe ich mir bis heute keine gekauft! Denn man sollte seinen Prinzipien einfach treu bleiben!

 

Nichts mehr versäumen: Mama vom Mond auf Facebook

 

PS: Bevor ihr mich zerfleischt: ÖKO Sandalen sind bestimmt toll! Und gesund! Und umweltfreundlich! Und fußfreundlich! Und überhaupt voll genial. Ich finde sie halt nur hässlich! (((:

 

 

 

 

 

 

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