JA, mein Kind treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn! Es schafft es, wie kein anderer Mensch genau dort anzusetzen, wo meine Nerven dünn besiedelt sind. Wo sich meine Geduld oftmals verabschiedet und Verständnis beim besten Willen nicht mehr zu finden ist.

 

Wie eine gemeine Stechmücke, die immer und immer wieder zum Angriff übergeht.

Vernünftige Klärungsversuche sind meist bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt. Um nichts auf der Welt wäre ein Kompromiss zu finden. Wut, Verzweiflung, bittere Tränen. Dunkle Wolken am Familienhimmel.

So vielseitig die Begleiterscheinungen der emotionalen Berg- und Talfahrten sind, sind auch die Auslöser. Hand geben beim Straßen überqueren, Spagetti zu klein geschnitten, Jacke anziehen obwohl die Sonne scheint, falsches Buch für die Gute Nacht Geschichte,  – die Liste wäre wohl schier endlos ergänzbar.

Das gemeine an diesen kindlichen Erdbeben: Man weiß nie, wann es ausbricht. Man kann sich niemals in Sicherheit wiegen! Denn, selbst eine noch so harmlos und unwichtig wirkende Situation, kann Grund genug für eine dramatische Verzweiflungsphase sein. Immer und überall kann es dich treffen! Raum und Zeit spielen keine Rolle. Was raus muss, muss raus!

 

Natürlich wissen wir alle:

Es ist nur eine Phase.

Immerhin haben wir schon in den ersten Lebenswochen unseres Nachwuchses, die Regenschauer, Gewitterwolken und Sonnenscheintage unserer Wachstums-Tabelle akribisch verfolgt.

Aber dennoch bewerten wir das schreckliche und nicht nachvollziehbare Verhalten unserer Lieblinge. Bringt es uns doch immer wieder an unsere emotionalen Grenzen. Im Kreise anderer Mütter, zusammen mit Papi, oder vor Scham alleine, analysieren wir das Verhalten und Benehmen unserer Kinder. Was haben wir nur falsch gemacht? Alle anderen Kids benehmen sich nie so daneben! Gut, ein Paar wenige andere auch noch, aber die stammen ja aus sozial fraglichen Verhältnissen. Das kann man ja nicht vergleichen.

Bei dieser Gelegenheit beginnen wir dann auch gleich weiter zu denken. Wenn das so weiter geht, oh Mann, wo soll das nur hinführen? Das wird in der Schule noch lustig werden! Mit dem Temperament werden Freundschaften wohl auch nur schwierig möglich sein.

Natürlich werden unsere Zweifel dann auch noch fachmännisch vom Kindergarten bestätigt: “Ihr Kind war heute wirklich sehr launisch und anstrengend!” Wussten wir es doch! Das Benehmen kann nicht normal sein!

 

Wahrscheinlich haben wir wirklich auf ganzer Linie versagt!

Wenn es jetzt sogar schon von Pädagogen bestätigt wird. Hätten wir strenger sein müssen? Wo und wann haben wir nur übersehen, dieser dramatischen Wende entgegen zu wirken?

Immerhin haben wir doch schon zig-mal erklärt, dass es zum Frühstück kein Eis gibt und dass nach der Gute-Nacht-Geschichte geschlafen wird! Wir haben doch schon besprochen, dass man im Sommer keine Winterjacke braucht und dass man zu Marillenknödel kein Ketchup ißt. Du weißt doch ganz genau, dass man andere Kinder nicht schubsen darf und dass es gefährlich ist, einfach wegzulaufen. Wie oft haben wir dich schon darum gebeten, nicht mit Spielzeug herum zu werfen?

Warum also, müssen wir uns dennoch immer wieder mit diesen anstrengenden und nervigen Konfrontationen auseinander setzen? Warum sind diese unnötigen Launen und Diskussionen immer wieder notwendig? Warum, kann es nicht einfach funktionieren?

 

WEIL ES KINDER SIND!!!!

Weil sie sich darauf verlassen können müssen, dass wir ihnen lernen, was richtig und falsch ist!

Weil sie das Recht darauf haben, ihre Emotionen kennen zu lernen. Alle Facetten der Gefühls-Palette. Von Wut, bis Trauer, Verzweiflung und Freude. Jedes Gefühl muss langsam eingeordnet werden.

Weil sie die nötige Zeit und Geduld verdient haben, zu lernen mit Situationen richtig umzugehen, Emotionen zu verstehen, Grenzen zu erkennen.

Die Welt ist voller aufregender Abenteuer, geheimer Zauberwälder, bunter Blumenwiesen und leuchtender Regenbogen. So vieles ist noch zu entdecken, zu erforschen, zu begreifen. An jeder Ecke wartet ein kleines Wunder darauf bestaunt zu werden.

Fragen wollen beantwortet, Wünsche erfüllt und Gefühle verstanden werden. Nicht immer ein leichtes und konfliktfreies Unterfangen. Aber, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! So wie wir selbst, immer wieder Mal mit Selbstzweifel konfrontiert sind, müssen wir auch unseren Lieblingen eingestehen, Erfahrungen und Fehler machen zu dürfen.

Was hatten wir erwartet? Kindergartenkinder, die in der Bauecke Konflikte mit konstruktiven Diskussionen lösen? Analytisch für und wider abwiegen und dann harmonisch und zielorientiert einen Plan für die weitere Vorgangsweise entwickeln? Kleinkinder, die willenlos alles machen was wir sagen? Kinder, die ihre Emotionen stets im Griff haben und sich mit Contenance gekonnt auf dem sozialen Parkett bewegen?

Scheinbar vergessen wir immer wieder gerne, dass es sich um kleine Kinder handelt! Wir vergleichen ihr Verhalten mit unseren Erwartungen und fordern rational nachvollziehbare Entscheidungen!

Aber vielleicht sollten wir versuchen uns vor Augen zu führen, dass jede Emotion unserer Kinder einen wichtigen Grund hat und legitim ist? Ist es für uns auch noch so lächerlich und unnötig, ist es für sie doch eine entscheidende Situation. Vor allem aber sollten wir uns nicht immer von Vorgaben und Ratschlägen verunsichern lassen. Unsere Kinder nicht vergleichen und nicht immer jedes Verhalten bewerten oder verurteilen.

Pädagogische Fragebögen, Entwicklungsgespräche und vieles mehr, können eine wertvolle Unterstützung sein. Eine tolle Hilfestellung um gemeinsam an Schwächen zu arbeiten. Aber kann ein Blatt Papier konkret und vollständig, darüber Auskunft geben, wie mein Kind in seiner wundervollen Einzigartigkeit ist?

Soweit, so gut! Zumindest theoretisch. Praktisch ist es jedoch sehr realistisch, dass mich mein Kind, bereits schon wieder morgen Früh in den Wahnsinn treiben wird. Ich wieder keine Ahnung haben werde, was genau unser Problem ist und warum um Gottes Willen, ein paar Schuhe dazu geführt hat, dass wir in Tränen aufgelöst im Vorzimmer sitzen. Vermutlich werde ich auch falsch reagieren und vielleicht nicht die notwendige Geduld, das notwendige Verständnis für seinen “Schmerz” haben.

Doch ich glaube, es geht dabei nicht darum, immer alles richtig zu machen. Sondern viel mehr darum, auch ihm seine Schwächen und Launen einzugestehen, ohne dabei sofort das kleine Menschlein zu beurteilen. Ohne dahinter immer sofort Probleme zu vermuten, oder eine schlechte Meinung zu bilden.

 

Es ist, wie es ist! Und so wie es ist, ist es gut!

Unsere Kinder sind genau so, wie sie sind perfekt! Mit all ihren Stärken und Schwächen! 

Und was noch nicht perfekt ist, werden wir gemeinsam Schritt für Schritt lernen. Ich werde Fehler machen! Du wirst Fehler machen! Aber das ist in Ordnung!

Solange wir immer aneinander glauben und zueinander stehen!

 

Nichts mehr versäumen: Mama vom Mond auf Facebook

 

Fotos @unsplash.com

 

 

 

 

 

 

2 Replies to “Es ist wie es ist! Und so wie es ist, ist es gut!”

  1. Wie recht du hast! ?
    Welche Mutter macht sich diese Gedanken nicht? Ich finde es sehr wichtig vor der Erziehung die Beziehung zu stellen. Wenn wir eine Beziehung die auf einem guten Fundament steht aufgebaut haben, wird es auch mit der Erziehung funktionieren. Und ja. Jeder macht Fehler und wir Eltern sind nicht perfekt. Weißt du was?! Das ist gut so. Wir sind alle Menschen, auch die Pädagogen! Spreche aus eigener Erfahrung ?
    Wir sollten uns von dem ewig perfekt sein wollen verabschieden.
    In der Zeit in der wir dem Perfektionismus nachlaufen, vergeuden wir nur wertvolle Lebenszeit. Auch davon kann ich ein Lied singen. Doch ich arbeite an mir und es gelingt immer besser ?
    Und seien wir einmal ehrlich. Auch wir haben die Emotionen unserer Kinder wie Wut, Frustration, Angst, Freude usw. in uns. Wir haben nur teilweise schon gelernt damit umzugehen. Manche mehr, manche weniger.
    Also helfen wir unseren Zwergen beim Lernen,verstehen und verarbeiten dieser Emotionen.
    Dabei lernen auch wir uns besser kennen.☺In diesem Sinne, viel Kraft für jede neue Herausforderung wünscht euch Sonja ?

    1. Wow – sooooo schön geschrieben! <3 Danke für die tollen und motivierenden Worte! Du hast soooooo Recht, könnte gerade wieder ein Lied davon singen, aber das ist wohl eine andere Geschichte ((:

      Schönen Tag meine Liebe!

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