“Der Zug ist voraussichtlich 15-20 Minuten verspätet!” Eine Viertelstunde mehr oder weniger, macht für meine mittlerweile halbgefrorenen und tauben Finger keinen Unterschied mehr. Die Frage nach heißem Tee und einer wärmenden Decke quält mich. Ich bin müde, ein langer anstrengender Tag liegt hinter mir. Müde vom Stress, müde von Diskussionen, müde von allem. Meine Nerven sind empfindlich, jeder falsche Blick, jede missverstandene Geste könnte zum emotionalen Ausbruch am Bahnsteig führen. Ich möchte einfach nur noch nachhause und gemeinsam mit meinen Kuschelsocken und einer Packung Raffaello diesen Tag aus meiner Erinnerung streichen.

 

Mit dem linken Fuß aufgestanden, mit der ganzen Welt gehadert.

“Gib jedem Tag die Chance der Schönste in deinem Leben zu sein!” Vielleicht morgen, vielleicht übermorgen. Heute ist Heute! Und heute ist nicht schön! Zu viel Zündstoff brachten die vergangenen Stunden, zu viele zwischenmenschliche Episoden. Unverständnis, Ungerechtigkeit, Ohnmacht – die Hauptdarsteller meines Tages.

 

Alleine gegen den Rest der Welt auf Bahnsteig 2. Unzufrieden mit mir, unzufrieden mit der ganzen Welt, lasse ich mich im Einklang mit dem quälenden Lärm der vorbeifahrenden Schnellzüge, in der Hektik der Menschenmenge treiben. Alle scheinen so glücklich und unbeschwert zu sein, während mein inneres Ich Kung Fu Übungen macht. Wut, Enttäuschung, Leere. Eine emotionale Überforderung durch das Zusammenspiel von vermeintlichen Kleinigkeiten.

 

Stark sein bedeutet nicht, nie schwach zu sein.

Heute fühle ich mich schwach und gönne mir die notwendige Portion Selbstmitleid. Die Maske des Lächelns verblasst im Lichte der Realität. Theatralische Übertreibung gepaart mit emotionaler Flexibilität sind vermutlich in diesem Moment die Garanten meiner Gefühlswelt. Gefangen im Gedanken gilt meine Aufmerksamkeit dem Fluss der negativen Schwingungen. Wozu solche Tage gut sein sollen, kann ich nicht im geringsten nachvollziehen. Alles im Leben hat einen Sinn? Unmöglich! Nicht dieser Tag! Verfolgt vom Pech, begleitet von einer unsagbaren negativen Energie.

 

Im sicheren Hafen meiner Familie.

Zuhause angekommen, wo plötzlich wieder alles Sinn macht und die wahren Wichtigkeiten des Lebens angesiedelt sind. Strahlende Kinderaugen, eine starke Schulter zum Anlehnen. Schnell vergessen sind die Tiefen des Tages. Die Launen der Unerträglichkeit. Weil ihr mich versteht und mir die Augen öffnet, auch wenn es weh tut. Meine chaotischen Gedanken und Gefühle mit der notwendigen Portion Ehrlichkeit und Gelassenheit beurteilt.  Füreinander da sein, zueinander stehen. Einander helfen, vertrauen, grenzenlos lieben. Wo es erlaubt ist Schwächen zu zeigen und Fehler zu machen. Gerade an Tagen wie diesen ein unbezahlbarer Segen, ein großes Privileg. Wo ich sein kann, wie ich bin und man mich dennoch, oder gerade deswegen, uneingeschränkt liebt.

 

Foto @RueMa

 

Man spricht nicht gerne über Schwächen oder Ängste. Zu groß die Gefahr verwundbar zu sein, Gefühle zu zeigen. Nach außen hin muss alles gut sein, unüberwindbar die Scham, die Grenze der Ehrlichkeit. Doch es gibt sie! Tage an denen alles schief läuft, an denen man sich selbst und die ganze Welt nicht leiden kann. An denen man einfach schreien möchte. Sich leer und unverstanden fühlt. So vieles ungerecht und unnötig erscheint. Im Schatten der Maske des Lächelns spielen wir tapfer unsere Rolle! So ist es doch schon immer gewesen. So soll es nun Mal sein in einer starken, funktionierenden Gesellschaft. Oder? Glücklich, verliebt und voller Lebensfreude zeigen wir unsere Fotos auf Instagram & Co. Besessen von der Leichtigkeit des Lebens, der Schönheit des Seins. Die perfekte Welt im Glanz der Makellosigkeit. Allzeit bereit zum Aufsprung auf die perfekte Welle.

 

So ist das Leben.” sagte der Clown, wischte sich eine Träne weg und malte sich ein Lächeln ins Gesicht.

Schneller, besser, weiter! Hoch gesteckte Ziele an uns selbst und unsere Umgebung. Die Besessenheit nach Perfektionismus, die Gier nach Großem. Fehltritte ein Tabu, Unsicherheiten nicht gern gesehen. Die Schwachen sterben, die Starken Überleben. Eine uralte Weisheit. Der Schlüssel zum Glück? Die Anleitung zum Erfolg?

 

“Man liebt einen Menschen nicht wegen seiner Stärke, sondern wegen seiner Schwächen!”

Das beweist mir meine kleine Welt – ihr zwei –  jedes Mal aufs Neue! Ich bin unendlich dankbar, eine Familie wie euch zu haben! Die Allzeit bereit ist mich aufzufangen, wo schwach sein nichts mit Stärke zu tun hat.  Fehler erlaubt sind und über Ängste gesprochen wird. Zusammen scheitern, gemeinsam kämpfen, Hand in Hand gegen den Rest der Welt. Ihr seid mein Antrieb und meine Erdung. Weil ich süchtig nach eurer Liebe, süchtig nach euch bin. Weil ihr die Antwort auf all meine Fragen, mein größtes Ziel und mein unendlicher Erfolg seid. Weil mit euch jeder Tag ein Abenteuer ist und ihr selbst den steinigsten Weg mit mir Barfuß geht. Weil ich durch euch gelernt habe, was wirklich wichtig ist im Leben. Weil nur da wo ihr seid, mein Zuhause ist. Weil ihr alles für mich seid!

 

Weil ihr mich stark macht, auch wenn ich gerade schwach bin! 

 

Foto @gaellemm – unsplash.com

 

Nichts mehr versäumen: Mama vom Mond auf Facebook

Titelbild @fabrizioverrecchia – unsplash.com

 

7 Replies to “Stark sein bedeutet nicht, nie schwach zu sein”

  1. Hallo!

    Ich hab gerade ganz viel Mut in mir aufkeimen gespürt.
    Da ich gerade in einer sehr bösen Scheidung stecke, sind meine Tage oft von Negativem überschattet. Energiereserven werden mobilisiert und Kräfte irgendwie gebündelt. Doch auch die gehen irgendwann aus. Mir gibt meine Familie, meine kleine Tochter so unendlich viel. Sie lieben bedingungslos und ehrlich. Das tut so gut.
    Es wird einem bewusst was wirklich zählt und nur das ist wichtig! Alles Liebe wünscht dir Sonja ?

    1. Liebe Sonja! Es freut mich sehr, dass dir meine Zeilen in der schweren Zeit ein bisschen Mut machen konnten! Ich wünsch euch von Herzen, dass ihr den “Kampf” bald hinter euch habt und alles gut wird. Deine Maus hat eine ganz starke Mami! Alles Liebe für euch! PS: Vielleicht magst dich wieder mal melden, deine Worte haben mich grad echt berührt! GLG

  2. Hallo!

    Sehr, sehr gerne. Mir sind bei deinen Worten an mich die Tränen gekommen. Danke!
    Stark muss ich wirklich sein, obwohl ich mich oft sehr schwach und verletzlich fühle. Was aus einer Liebe werden kann ist wirklich schrecklich.
    Ich hoffe auch, dass wir es bald hinter uns haben und endlich wieder glücklich in die Zukunft schauen können.
    Melde mich gerne wieder bei dir, wenn ich darf. ?
    Alles Liebe wünscht dir Sonja

  3. Ich würde sagen,dass Freiheit ist genau so zu sein, wie man sein will. Die freie Entscheidung zu treffen, ob man was posten will oder nicht. Und das finde ich wunderschön in dir, Luise. Das ist am Ende Effekt auch mehr Realität und vor allem mehr Ehrlichkeit mit uns, die dein Content lesen. Wie du im Video vom YouTube erwähnt hast, und damit muss ich total zustimmen: warum Videos drehen und ein fröhliches Gesicht zeigen, wenn man sich nicht so fühlt? Warum ein schönes Abendessen vorbereiten, wenn man eigentlich kein Hunger hat? Aufgrund solcher Einstellungen denken viele von uns (ich auch manchmal), dass wir die Einzigen sind, die schwierige Momenten im Leben haben. Einfach, weil alles, was gepostet wird, immer so schön und perfekt ist. Aber das Real Life nicht immer so ist. Und es ist auch ok. Wir haben alle solche Phasen. Ich hoffe, dass du durch diese Phase einfach stärker wirst und viel dazu lernst. Wie du gesagt hast, diese sind die Momenten, in den wir meistens was lernen. 🙂 PS.: Ich würde schon sehr gerne mehr von deiner Realität sehen, egal ob das Essen schön ist oder nicht, usw. Ich finde es gut, diese Ehrlichkeit zu sehen und bemerken, dass Bloggerin zu sein heißt nicht ein perfektes Leben zu haben und immer schön aussehen. Aber natürlich, dass du die Freiheit der Entscheidung hast. Du sollst dann bestimmen, was du wirklich zeigen willst. (Ich sehe auf jeden Fall alles von dir immer sehr gern. 3)

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