Schwupstiwups und 2,5 Jahre Babypause sind vorbei. Die Berufswelt erwartet mich freudig. Mein Kontostand wiederum erwartet die Berufswelt freudig. Back in real Life. Tausche Spuckwindel gegen Rechenmaschine. Mexalen Zäpfchen gegen Visitenkarten.

 

Vorbei die Zeit der schlapprigen Jogginghosen am Spielplatz. Der bad Hairs, die auch im Sommer nach einer Haube verlangten. Der “egal wie du ausschaust, Hauptsache das Kind schläft”-Zeit. Nicht dass ich mich hätte gehen lassen. Im Gegenteil, ich habs genossen. Die zwei schönsten und intensivsten, aber gleichzeitig auch anstrengendsten Jahre meines bisherigen Lebens. Aber Babyturnen, Playdates und Mamatreffs haben nicht sooooooo viel Schönheit erfordert. Klar traf man dort auch gestylte Mamis. Oder so merkwürdige Frauen, die bereits 6 Wochen nach der Geburt wieder ihr ursprüngliches Gewicht hatten. Aber ganz ehrlich. Für Zwergi machte es keinen Unterschied, ob ich Mascara trug, oder ob meine Schuhe zur Handtasche passten, wenn er gerade Blähungen hatte.

 

Für meinen Bub war nur wichtig, mich rund um die Uhr bei sich zu haben.

 

 

Wir haben die Nacht zum Tag gemacht. La Le Lu-Sessions gefeiert. Während wir stundenlang rhythmisch im Flur auf und ab getänzelt sind. Um gemeinsam in den Schlaf zu finden. Ich kann La Le Lu in allen Tonlagen und sogar rückwärts singen. Und ich kenne jede Ecke unseres Flurs. 27 Laminatbretter wurden verlegt, die Flurbreite entspricht 12 Fusslängen. Vom Kinderzimmer ins Schlafzimmer sind es 68 Schritte.

 

Wochentage spielten keine Rolle für uns. Egal ob Montag, oder Mittwoch. Wir lebten in unserer eigenen, kleinen Welt. Lausis Rhythmus, Lausis Laune war unser Wochenplaner. Wir schliefen am Morgen, am Vormittag, am Nachmittag, je nachdem wie er wollte. Nur nachts, schliefen wir weniger gern. Deswegen genoss ich es unter Tags gemeinsam mit ihm zu rasten. Und hoffte jedes Mal, dass der Postbote nicht wieder anläutet. Oder kein keifender Hund beim Fenster vorbei läuft. Überhaupt löste alles, dass den Schlaf meines Kindes stören hätte können, leichte Aggressionen in mir aus.

 

 

Sein erster Schritt, sein erster Zahn, sein erstes Wort. Das waren unsere Feiertage. Und natürlich die Wochenenden. Wir haben es genossen, dass Papi auch Zuhause ist. Dass Papi uns etwas Arbeit abnehmen hätte können konnte.

 

 

Selten aber doch, schafften Papi und ich es auch im ersten halben Jahr gemeinsam zu essen. Zwergi schlief nicht gerne alleine. Aber wenn es dann soweit war, dann ließen wir die Korken knallen. Machten die freien Minuten zu einer ganz besonderen Zeit. Es war sozusagen, unsere Happy Hour. Endlich konnten wir wieder verrückten Erwachsenen-Kram erledigen. Duschen, Haare färben, Telefonieren. Oder miteinander reden. Manchmal schliefen wir auch nur auf der Couch ein.

 

Respekt hab ich schon vor dem beruflichen Wiedereinstieg. Es kommt viel Neues auf mich zu. 3-silbige Wörter, Essen das nicht püriert ist, Stiegen steigen in U Bahn Stationen. Ist es eigentlich verboten auch ohne Kinderwagen den Lift zu nehmen?

 

Gleichzeitig habe ich durch mein Mamasein, aber auch zusätzliche Fähigkeiten für die Berufswelt entwickelt. Ich kann auf Zehenspitzen aus jedem Raum schleichen. Egal welcher Bodenbelag vorhanden ist. Du wirst mich nicht hören. Auch essenstechnisch haben sich meine Ansprüche völlig geändert. 2 Hände beim Essen frei zu haben und im Idealfall dabei vielleicht sogar sitzen zu können, befriedigt meine kulinarischen Bedürfnisse komplett. Essensreste reichen völlig aus. Ich kenne es nicht mehr anders. Wenn jemand nicht zusammen ißt, bin ich automatisch zur Stelle.

 

Dennoch bin ich auf einmal auch gezwungen, mein Leben wieder neu zu überdenken. Windeln, Feuchttücher, Wickelauflage, Trinkbecher, Breiglas, Löffel, Maisflips, Apfelspalten, Mcqueen Auto, Schnuller, Spuckwindel, Reserve-Babykleidung, Mutter-Kind-Pass, Lätzchen, Babyrassel, Kuscheldecke, Wundcreme, Thermoskanne . Was gibt man eigentlich sonst so in eine Handtasche? Also in eine “Ich geh jetzt wieder arbeiten – Business Mama Handtasche”? Was braucht man eigentlich als eigenständige Frau für sich? Frauen mit Kindern sind doch auch eigenständige Wesen. Oder?

 

Noch einmal schlafen dann geht’s los, mein erster Bürotag nach der Babypause. Augenbrauen sind gezupft. Büroutfit hergerichtet. Relax Tropfen eingepackt. Immerhin wird mein Kind ab morgen “fremd betreut”. Wie das schon klingt. Fürchterlich der Gedanke! Mein Sonnenschein ist am anderen Ende der Stadt bei fremden Frauen, während ich in einem Büro sitze und arbeite. Mein Herz kommt mit der Vorstellung gar nicht gut klar. Aber irgendwann, muss dieser Schritt wohl gesetzt werden. Klar, ein zweites Kind wäre eine Option gewesen und dann vielleicht ein drittes, viertes und fünftes. Aber wäre der Wiedereinstieg in 10 Jahren mit 5 Kindern wirklich einfacher gewesen?

 

Wenn ich auch wehmütig und nervös bin. Und Angst vor der großen Veränderung habe, so freue ich mich doch auch irgendwie wieder alle zu sehen. Meine lieben Arbeitskollegen.

 

Ich weiss zwar nimma wie sie heißen, aber soweit ich mich erinnern kann, waren sie nett. Zumindest war das Babygeschenk wirklich schön. Und großzügig. Vielleicht hätte ich Kuchen mitnehmen sollen?

 

Dann ist es soweit, ich hab das Haus endlich gefunden. Hatte das Büro ganz anders in Erinnerung. Nervös fahre ich mit dem Lift in den 1. Stock. Alles schaut so verändert aus. So ordentlich, so sauber, so büromässig. Nirgends liegt Spielzeug herum. Niemand weint. Niemand liegt am Boden. Es wirkt ein wenig befremdlich.

 

Ich rieche den Duft von Kugelschreibern. Und es gibt Zimmerpflanzen. Nicht eine, nicht zwei, nein, es sind 3 Zimmerpflanzen. Und sie leben. Sie schauen so gesund aus. Als würden sie bei einem Floristen wohnen.

 

Handy ist auf lautlos, Bauch eingezogen. Ich mache mich auf die Suche nach meinem Arbeitsplatz. In welchem Zimmer bin ich früher eigentlich gesessen? Wurscht, am ersten Tag wird ja e noch nix zu tun sein.

 

Da hör ich schon ein freudiges “Hallotschi”. Eine vertraute Stimme. Ich glaube das ist meine Lieblingskollegin. Wir haben uns immer toll verstanden. Ich falle ihr um den Hals. Freue mich, dass alles so ist wie früher! Immerhin sind über 2 Jahre vergangen.

 

Sie stellt sich als Natalia, die Praktikantin seit 1 Woche bei mir vor.

 

Meine neue Praktikantenfreundin Natalia bringt mich ins Besprechungszimmer. Ich hatte den Raum gar nicht so groß in Erinnerung. Es gibt Vorhänge. Weiße Vorhänge. Ohne Flecken. Ohne Fäden. Es scheint, als hätte sich damit noch nie jemand den Mund abgewischt. Als wären sie ausschließlich als hübsche Deko da. So wie in einem sytlischen Möbelgeschäft.

 

Natalia fragt mich, ob ich Kaffee wolle. Ich lehne dankend ab. Bitte Sie aber mir ein Kebab zu holen. Frühstück habe ich heute unmöglich geschafft. Und mir bei der Gelegenheit gleich Windeln mitzunehmen. Erspare ich mir so den Stress nach der Arbeit. Und Natalia macht es gerne. Natalia ist Praktikantin.

 

Nach einem gemeinsamen Welcome-Kaffee mit der gesamten Mannschaft machen sich alle wieder an die Arbeit. Auch ich!

 

Gibt’s normalerweise nicht ein Welcome Back Geschenk?

 

Ich bin mir unsicher. Aber es ist nicht vorrangig wichtig. Wichtig ist, dass meine Arbeitskollegen noch immer nett wirken. Dass ich mich bereits am ersten Tag wieder wohl im Team fühle. Und dass ich zu Weihnachten, zu Ostern, zu Pfingsten, in den Semesterferien, in den Herbstferien und in den Sommerferien Urlaub bekomme.

 

Ich platziere meine 24 Kinderfotos von Lausi, von jedem Lebensmonat eines, auf meinem Schreibtisch. Dann richte ich meinen Desktop Hintergrund ein. Ich habe mich für ein Tauf-Foto entschieden.

 

Langsam fühlt es sich heimelig an. Ein gutes Gefühl wieder im Berufsleben zu stehen. Für Leistungen, fernab der Kinderbetreuung, geschätzt und honoriert zu werden. Klar fehlt mir Lausi. Sehr sogar. Aber der Kindergarten hat bei meinen 4 Anrufen versichert, dass alles gut ist. Da fällt mir die Zeit im Büro auch gleich leichter.

 

Ehe ich mich versehe, ist auch schon wieder Mittagspause.

 

Robert mein Zimmernachbar begleitet mich zum Essen in die Küche. Nein, er ist nicht hübsch. Aber er hat eine grosse Flasche Cola mit. Mein Getränk steht blöderweise Zuhause. Für Natalia wäre der Weg zu weit. Wobei, wenn sie ein Auto hätte……

 

Wir unterhalten uns, wie man sich mit Arbeitskollegen eben so unterhält. Wir reden über Marihuana, Kinderschwimmkurse und die Zeugen Jehovas.

 

Ich fühle mich wohl! Wenngleich vieles neu für mich ist. Aber, ich habe das Gefühl, dass ich wieder angekommen bin. In der Welt der Wirtschaft. In der Welt der erfolgreichen Karrierefrauen. Dass ich den Spagat zwischen Familie und Beruf schaffen kann. Wieder herzlich aufgenommen geworden zu sein ist großes Glück. Und eine große Beruhigung.

 

Gleichzeitig kann ich es aber kaum erwarten endlich wieder zuhause zu sein. Meinen Schatz endlich wieder in den Arm nehmen zu können. Ich habe ihn so unheimlich vermisst.

 

Mamasein ist eben doch der schönste Job!

 

 

Mama vom Mond auf Facebook

Fotos: RuEma

2 Replies to “Bye Bye Babypause – Mama muss arbeiten gehen!”

  1. Großartig geschrieben! Witzig, aber auch so, dass die wahren Gefühle dahinter erkannt werden! Stecke in der gleichen Situation. KiTa-Start ist im Nov und ich arbeite wieder ab Februar… Kenne das also ?

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