“NNNEEEEEEEEIIIIIINNNNNNNNN”

“ICH KANN DAS SCHON ALLEINE!!!!!!!!!

 

Montag Morgen halb 7. Eine kurze Nacht liegt hinter uns. Erster Arbeitstag, erster Kindergartentag – wie sehr ich diese Montage liebe.

 

Und dann noch das! Hätte doch fast ICH die Cornflakes in das Schüsserl geleert. ICH! Obwohl das Lausi doch schon alleine kann. Kapitaler Fehler! Aber der liebe Gott hat es nochmals gut mit mir gemeint. Eine Sekunde später und das Cornflakes-Drama wäre perfekt gewesen.

 

Von 0 auf 100 in 6 Sekunden. Vom liebevollen Engerl zum Zornbinkerl in Schallgeschwindigkeit.

 

Aber nicht heute! Heute wird alles gut. Ich hab mir am Wochenende einen Ratgeber über Kinder in der Trotzphase gekauft und bin gewappnet. Heute wird mich mein Zwerg nicht an den Rande des Wahnsinns treiben. Diese Zeiten sind vorbei. Stampfen, Schreien, auf den Boden schmeißen, heute wird mich nichts aus dem Konzept bringen können.

 

Noch schnell tausend + drei Cornflakes vom Boden saugen und schon sitzen wir gemütlich beim Frühstückstisch.

 

NEEIIIIIINNNNNNNNNNN!

DUUUUU NIICHHHTTT!!!

DA SITZT PAPA!!!!

 

Ups, fast vergessen! Aus Gewohnheit hätte ich mich fast auf meinen Stuhl gesetzt. Aba da sitzt ja jetzt Papa. Phuuu…..Noch schnell einen Schluck Kaffee.

 

Jetzt kommt die wahre Challenge. Spielzeugtag im Kindergarten. Was wollen wir mitnehmen? Vielleicht ein Auto? Oder ein Buch? Alles erlaubt, nur batterielos muss es sein.

 

NEEIIIIIINNNNNNNNNNN
„MAAAAMMMMAAAA- ICH WILL DAS ABER !!!!!!!!“

LULIAN NIMMT AUCH EIN SIRENEN-AUTO MIT.

 

Hmmmm……… Was soll ich jetzt machen? Was würd mein schlauer Ratgeber jetzt sagen? Hätt ich doch bloss schon begonnen zu lesen.

 

“Bleib hart“ sagt die konsequente Mama in mir.

“Ist doch wurscht, soll ers halt mitnehmen“ sagt die nachgiebige Mama in mir.

 

Na toll! Und was tu ich jetzt? Telefon-Joker schaff ich zeitlich nicht mehr. Sein Kopf wird schon knallrot.

 

Ach Mensch, schnell triff eine Entscheidung!

 

“Nein – das nehmen wir nicht mit. Such dir bitte etwas anderes aus!“

 

YEESSS, ich habs drauf!

 

Mein Puls ist zwar auf 100. Aber ich habs getan. Ich hab mich durchgesetzt, zumindest theoretisch.

 

Praktisch, liegt mein Kind gerade am Boden und ist dabei die ganze Nachbarschaft zu wecken.

 

 

 

OOOHHHMMMM -“Bleib ganz ruhig! Lass dich nicht unterkriegen”, flüstert mir die konsequente Mama ins Ohr. Ist ja nicht so, dass das jetzt Neuland für dich wäre. Also keep cool!

 

Stimmt eigentlich! Erst letztens führte ein falsch geschnittenes Wurstbrot zu einem mindestens 10 minütigen Schreianfall.
Hab einstweilen schnell einen Guglhupf gebacken! Nur falls wer vom Jugendamt angeläutet hätte. Kuchen macht doch immer einen besseren ersten Eindruck.

 

Oder falls jemand aus der Nachbarschaft die Polizei geholt hätte. “SOS – Notfall in Wien – Extrawurst-Brot falsch geschnitten – bitte umgehend Einsatzkräfte schicken.

 

Na ja, Trotzphasen gehören nun mal dazu. Entwicklungstechnisch sogar eine ganz wichtige Phase für unsere Kinder. Die Autonomiephase. Das Wort gefällt mir persönlich viel besser für diesen kindlichen Zustand. Es klingt so gebildet und belesen.

 

“Warum liegt dein Kind am Boden und schreit?” “Mein Sohn durchlebt gerade einen wichtigen Abschnitt der entwicklungs psychologisch so wichtigen Autonomiephase und sammelt Erfahrungswerte im Zusammenhang mit seinem Streben nach mehr Autonomie und Selbstbestimmtheit.” “Ahhhh asoooo – na dann…….”.

 

Wie auch immer du es nennen  magst. Für uns Mütter ein Alptraum, eine wahre Challenge nahe dem Nervenzusammenbruch, aber Realität. So notwendig wie Bügelwäsche, oder die Menstruation im Spanien-Urlaub. Aber nicht änderbar. Da müssen wir alle durch,  eine wahre Geduldsprobe. Und es wird vergehen. Es wird vergehen!

 

Wenn du gerade mit der vollen Härte des “Trotz-Wahnsinns” konfrontiert bist, sitzt du nur da und denkst: “Was ist eigentlich gerade mit meinem Kind los?” Haben wir gerade unser gesamtes Hab und Gut verloren? Fliegt ein Meteorit auf die Erde zu? Oder geht es ernsthaft gerade um ein Extrawurst-Brot?

 

 

 

 

Du könntest schreien, oder weinen, oder mit einem Wurfball mindestens 80 Meter weit schießen. Aber du bleibst ruhig! Ganz ruhig! Kennt ihr diese tibetischen Mönche die Holzbretter mit ihren blossen Händen in 2 Teile zerschlagen? In solchen Situationen kann das jede Mami. Dein Körper ist zwar anwesend, aber dein Geist schwebt gerade im Universum herum auf der Suche nach Antworten. In einem Paralleluniversum, ähnlich einer Meditation. Um dich vor der Realität – dem Trotz-Terror zu schützen. Nur deine Ohren sind im hier und jetzt. In Alarmbereitschaft. Hat es gerade an der Tür geklingelt? Die Fenster hab ich doch zugemacht oder?

 

Zum Glück kennen und mögen uns unsere Nachbarn. Die meisten haben selbst Kinder und wissen, dass ein falsches T-Shirt-Motiv schnell zu einer kindlichen Lebenskrise führen kann. Und irgendwie sind doch eh alle Kinder in dem Alter gleich.

 

Wie auch immer, die Zeiten sind ja jetzt zum Glück vorbei. Ich hab ja alles im Griff.

 

Und siehe da, mein Zwerg ist mittlerweile aufgestanden und steht mit einem Buch im Vorzimmer. Falls ihr zu schnell gelesen habt: Mit einem Buch!!!!!!!

 

STTRRRIIIKKKEEEEE – 1:0 für Mami. YYYYEEAAAHHHH

 

Konsequenz wird eben belohnt! Erinnert ihr euch noch an die Super Nanny von RTL? Katharina Saalfrank. Sie wusste auf jede Erziehungsfrage eine Antwort und hatte jede kindliche Emotion im Griff. Genau so fühl ich mich gerade!

 

Heute ist ein guter Tag! Mein Lieblingstag! Nein, meine Lieblingswoche! Und mein neues Lieblingswort heißt Autonomiephase.

 

So ein maßgeblicher Durchbruch, so ein toller Fortschritt. JIIIPPIII. Vielleicht gibt’s am Abend Raclette zur Feier des Tages.

 

Noch schnell Jacke anziehen, Regenschirm aufspannen und husch, husch zum Auto.

 

Sandalen?? Es regnet! Es ist Herbst. Es ist kalt! Zieh dir bitte sofort andere Schuhe an!

 

 

 

NEEIIIIIINNNNNNNNNNN
MAAAAMMMMAAAA- ICH WILL ABER DIIEEE !!!!!!!!“

 

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