Jeder von uns hat doch diese eine Freundin. Diese eine Freundin, die nicht nur verboten gut ausschaut, sondern die auch immer alles im Griff hat. Ganz zu schweigen davon, dass sie die perfekte Mama und der Traum vieler Männer ist. Sie betritt nicht den Raum, sie erhellt jeden Raum.

 

Ihre makellose porenfreie Haut und ihre strahlenden blauen Augen sind jedoch, auf Grund ihres Apfel-Pos nur Nebendarsteller. Kein Wunder, bei 176 cm Körpergröße und 51 Kilos muss einfach jede Jean perfekt sitzen. Anderenfalls wäre jeder Designer dem Suizid nahe.

 

Haare und Nägel strahlen um die Wette, während blend a med white im Vergleich zu ihren wunderschönen Zähnen dunkel wirkt.

 

Kind, Beruf, Haushalt und Ehemann bringt sie gekonnt unter einen Hut und findet noch Zeit für Pilates Stunden und Shiatsu Massagen. Gar nicht so einfach, besucht sie doch auch wöchentlich mit ihrem Nachwuchs Mutter Kind Turnen und elementares Musizieren.

 

Natürlich wird sie von allen gemocht und geschätzt. Kein Wunder, gehört sie doch zweifelsfrei zu den herzlichsten und liebsten Menschen überhaupt.

 

Man könnte sagen ihr Leben gleicht einem Lotto-6er.

 

Gestern war es soweit. Paula und ich waren zum Playdate verabredet. Eine schöne Möglichkeit gemütlich bei einem Kaffee zu plaudern, während Noel und Benedikt zusammen spielen. Zufällig hatten beide auch noch am selben Tag Geburtstag und wurden heuer 3.

 

Da unsere Wohnung momentan einem Schlachtfeld gleicht, ich hatte ganze Woche keine Zeit und Lust zum Aufräumen, störte es mich gar nicht, sie in ihrem freistehenden Einfamilienhaus in Wien Strebersdorf zu besuchen.

 

Auf dem Weg zu ihr noch schnell beim Spar reingehüpft, um Chips und Kinderschokolade zu besorgen, eine Kleinigkeit zum Mitbringen für einen gemütlichen Nachmittag.

 

Bei einer selbst gebackenen veganen Bananen Schnitte und einem Latte Machiatto mit Ziegenmilch plauderten wir über Gott und die Welt. Paula erzählte mir von ihrer Beförderung zur Teamleiterin, während sich meine Augen unbewusst auf ihre kirschroten Fingernägel fokusierten. Noch nie zuvor hatte ich so perfekt lackierte Nägel, ohne Farbränder oder Farbsplitter gesehen und ärgerte mich. So blöd, dass ich keine Zeit für meine Nägel hatte und auch der Nachwuchs meiner Augenbrauen schon 3-reihig erkennbar war. Es war mir schon etwas unangenehm, aber Äußerlichkeiten sollten unter Freundinnen wohl keine Rolle spielen. Vielleicht habe ich mich auch deshalb für den army-grünen Fleece-Pullover entschieden. Ein gemütliches Outfit für einen gemütlichen Freundinnen Nachmittag. Paula trug ein gelb-rosa getupftes Kleid. Es sah wirklich süss aus und betonte ihre schmale Taillie.

 

Unsere Jungs spielten friedlich im Obergeschoss im 36m2 grossen Kinderzimmer mit Fussbodenheizung. Benedikt spielte Blockflöte und Noel Arena Ritter-Kampf. Die beiden verstanden sich wirklich gut. So gut, dass sie nicht mal miteinander reden mussten. Sie verstanden sich sozusagen blind. Und seit Benedikt die Medidations-Spielgruppe besucht, ist er überhaupt viel ausgeglichener, sagte Paula.

 

Ganz anders bei uns im Erdgeschoss. Ein Thema jagte das andere. Voller Stolz erzählte ich, dass Thomas und ich zum Hochzeitstag übers Wochenende nach Venedig fahren wollen. Paula freute sich riesig für mich und hüpfte ganz aufgeregt vom Stuhl. Sie holte ein Fotoalbum und zeigte mir Bilder ihrer Venedig-Reise. Ludwig schenkte es ihr damals zum Namenstag und sie verbrachten eine Traum-Woche in einem kleinen Hotel direkt am Canale Grande. Soooo schön, ich kann es wirklich kaum erwarten.

 

Wie immer waren natürlich auch unsere Gewichtsprobleme ein Thema. Welche Mama ist denn schon zufrieden mit ihrer Figur? Ich jammerte, dass ich nach der Geburt nie wieder mein Ausgangsgewicht erreicht habe und dass ich es nicht leiden kann 40/42 zu tragen.

 

Paula sagte, ihr gehe es genau so und das beruhigte mich ein Stück weit. Seit Benedikts Geburt käme sie in ihre 34-iger Hosen nicht mehr rein und könne nur mehr 36 tragen. Mit leiser Stimme erzählte sie mir von ihrem “Speckring” und wie sie darunter leidet. Sie tat mir richtig leid in dem Moment, am liebsten hätte ich sie fest gedrückt. Um die plötzlich gedrückte Stimmung wieder etwas aufzuheitern, fragte ich nach Nachschlag von der veganen Bananen Schnitte.

 

Die Zeit verging dann wie im Flug und es war leider schon wieder Zeit sich zu verabschieden. Dass wir uns so schnell wie möglich wieder sehen müssen, auch weil sich unsere Jungs so toll verstehen, war für Paula und mich klar. Und ich freue mich schon drauf!

 

Es ist nicht so, dass ich Paula nicht mag.

 

Vielleicht mag ich ihren perfekten Körper oder ihren beruflichen Erfolg nicht immer. Vielleicht kann ich ihren vorbildlichen Ehrgeiz und ihre Disziplin nicht jederzeit uneingeschränkt leiden.

 

Und vielleicht bin ich auch einfach nur neidisch und wäre

manchmal selbst gern ein Stück weit mehr Paula.

 

Aber eines steht fest – ich mag Paula – sehr sogar!

 

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