/ Juni 12, 2018/ Mamis Welt

Immer öfters höre ich die letzten Monate im Bekannten- und Freundeskreis von auffälligen Kindergartenkindern. Von der Notwendigkeit von Sonderpädagoginnen, bis hin zu psychologischen Attests für 4-Jährige!

Während das eine Kind den ganzen Tag nur plappert und viel zu aktiv ist, gestaltet sich beim nächsten Schützling gerade seine Schüchternheit und Zurückhaltung als DAS große Problem. Türme aus Bauklötzen werden einfach grundlos umgeworfen, oder das Mittagessen aus Sturheit nicht aufgegessen.

3 jährige, die noch kein perfektes Viereck zeichnen können, sind wohl genau so häufig, wie Kinder die nicht auf Anhieb Würfelaugen erkennen.  Die einen schwitzen zu viel, vermutlich weil sie sich nicht spüren und die anderen leben ihre aggressive Art in der Gruppe aus, in dem sie mit Matchboxautos Massenkarambolagen veranstalten.

 

Mädchen, die völlig kaltherzig Puppen Haare abschneiden.

Oder wilde, unverbesserliche Jungs, die schon wieder nur am Unsinn machen sind und nicht hören wollen.

Von, Kindern die sich weigern beim Verabschieden in die Augen zu schauen, bis hin zu kleinen Rabauken, die sich sogar erlauben zu diskutieren, wenn es ums Spielsachen aufräumen geht, ist oftmals die Rede.

 

Hotspot Kindergarten – Problemfälle in der Sandkiste

Beißen, lautes singen, zwicken, wildes hüpfen. Hysterisches Geschrei, Laufen am Gang, trotzige Reaktionen – die Auffälligkeiten sind vielseitig.

Kinder, die ungeschickt sind, oder viel zu schnell sprechen. Unaufmerksamkeiten beim Märchenbuch vorlesen, bis hin zu Desinteresse bei gemeinsamen Puzzle-Einheiten.

Was ist nur aus unseren Kindergartenkindern geworden? Wo soll das nur hinführen?

 

Einzelgänger – Revoluzzer – Gruppenclown – Hitzkopf – Heulsuse.

Sensibelchen, Scheidungskind, Sturschädel, Dummerchen, Tollpatsch – die  passende Schublade ist oft schnell gefunden. Der entsprechende Stempel am Gehirn angebracht, das Kind professionell kategorisiert. Was da meiner Meinung nach leider oft geschieht, ist eine Bewertung des kleinen Menschleins und nicht die Bewertung seiner Fähigkeiten!

Dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, versteht sich wohl von selbst, oder?  Klärende Gespräche seitens der Pädagogen werden gesucht! „Ihr Kind war heute wieder sehr unrund!“ „Die Sache mit dem Gabel richtig halten funktioniert noch nicht so gut!“ Auch ich kenne diese Gespräche sehr gut und auch die vielen Fragezeichen und Unsicherheiten, die einem nachher beschäftigen, oder sogar fertig machen.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich glaube jede Mutter und jeder Vater versucht sein bestes dazu beizutragen, dass sein Kind richtig und falsch, verboten und erlaubt oder gut und böse unterscheiden und richtig einordnen kann.  Und somit eine stabile Grundlage für den weiteren Lebensweg zu legen. Konstruktive Kritik seitens des Kindergartens ist ein wichtiger, unerlässlicher Input für einen gemeinsamen Weg. ABER, man muss nicht sofort immer aus jeder Mücke einen Elefanten machen! Jedes Verhalten oder Benehmen sofort einstufen und Folgerungen daraus ziehen.

 

Immerhin sprechen wir von Kindern! Und keinen Mini-Einsteins!

Von Kindern im Alter von 3-6 Jahren, die noch lernen müssen, mit ihren Gefühlen umzugehen, ihre Emotionen richtig einzuordnen. Die versuchen Grenzen auszutesten und Regeln zu umgehen. Die von jetzt auf gleich ihre Launen um 100 Grad ändern können und mit einer noch so schönen Ehrlichkeit jedes Problem beim Namen nennen. Wir sprechen von Kindern, die bereits so viel gelernt haben in ihrem noch so kurzem Leben, so viele Aufgaben bereits selbständig meistern und voller Selbstvertrauen und Mut in jede neue Situation gehen. Von Kindern, die eben einmal etwas kaputt machen, Regeln missachten, oder ihre Wut körperlich auslassen. Natürlich MUSS erklärt werden, sowohl von den Eltern, als auch dem Kindergartenpersonal, dass manche Sachen einfach nicht erlaubt sind und man sich an Regeln halten muss.

ABER, was war denn früher? In unserer Kindergartenzeit? Wurden unsere Eltern auch zum Rapport gerufen, wenn wir im Garten einen Regenwurm zerschnitten haben? Wurde sofort ein, womöglich tiefsitzendes psychisches Problem damit in Verbindung gebracht? Gab es nicht schon immer laute und ruhige, bravere und schlimmere, aufgewecktere und schüchternere Kinder? Haben wir nicht auch mal gerauft oder Regeln missachtet? Sind wir deswegen heute schlechtere, erfolglosere oder unbeliebtere Menschen geworden? Menschen die ständig Gesetze überschreiten? Oder, die sich nicht zu Recht finden in der Gesellschaft?

 

Kann man heutzutage als Kind nur mehr bestehen, wenn man dem perfekten Bilderbuchkind entspricht?

Warum lassen wir unsere Kinder nicht einfach noch Kinder sein? Warum wird bereits im Alter von 2 Jahren – 6 Jahren ein gesellschaftlicher Druck auf ein kleines Wesen ausgeübt? Wobei wir uns im nächsten Atemzug darüber wundern, dass die Zahl von Burnouts, Depressionen, Essstörungen und vielem mehr stetig steigt.

Beginnt für unsere kleinen, tapferen Kindergartenkinder nicht Früh genug der Ernst des Lebens? Leistungsdruck! Sozialer Druck! Lernstress und vieles mehr. Warum lassen wir sie dann nicht zumindest noch jetzt, in dieser kurzen Zeit, einfach Kind sein? Warum müssen wir alles, noch jede so kleine Unwichtigkeit zerreden und analysieren? Warum dürfen sie nicht einfach Fehler machen, ohne dass dabei Eltern oder Pädagogen immer gleich weiter denken und Probleme diagnostizieren? Warum können wir ihnen Eigenheiten nicht einfach zugestehen?

Warum  nehmen wir uns nicht ein Beispiel an ihrer unkomplizierten, ehrlichen Art? An ihrer aufrichtigen tiefen Liebe? Ihren ehrgeizigen Zielen, ihrer echten Freude? Kinder leben im hier und jetzt. Da kann es schon einmal passieren, dass man Regeln vergisst oder Fehler macht.

 

Warum gestehen wir ihnen nicht ein, in Ruhe die Welt zu entdecken? In Ruhe sich selbst zu entdecken?

Warum müssen sie schon in so jungen Jahren die Erfahrung machen, bewertet zu werden? Nur zu zählen, wenn sie alles richtig und gemäß der Norm machen? Warum müssen sie feststellen, dass sie als Mensch leider nur zweitrangig wahrgenommen werden, sondern primär ihr Verhalten darüber entscheidet, wie über sie gedacht wird?

Ich weiß, es gibt viele herausragende Pädagoginnen, die tagtäglich einen großartigen Job machen und einer herausfordernden Arbeit nachgehen. Die nur das beste für unsere Kinder wollen und diesen zolle ich meinen vollen Respekt. Aber es gibt leider zweifellos auch das Gegenteil. Viele Erzählungen verschiedener Mamis aus ganz verschiedenen Kindergärten und auch eigene Erfahrungen haben mir das gezeigt. 

 

Hab Vertrauen in dein Kind und es wird Vertrauen in sich selbst haben!

(Justina Blakeny)

Deswegen würde ich mir wünschen, bei allen Vorgaben, Regeln und Beobachtungen nicht zu vergessen, dass es sich beim „Analyse-Objekt“ um ein kleines Kind handelt! Mir ist bewusst, dass es Situationen oder Verhaltensauffälligkeiten gibt, die einer näheren Betrachtungsweise bedürfen. Wo weitere Abklärungen und Abstimmungen mit den Eltern notwendig sind. Und dass es vielleicht Eltern gibt, denen das Verhalten ihres Nachwuchses grundsätzlich nicht so am Herzen liegt.

Leider gibt es meiner Meinung nach dennoch viel zu viele Situationen, in denen unnötig Dramen erzeugt und Probleme herbei beschworen werden. Weil völlig falsche Erwartungen und Maßstäbe heran gezogen werden. In denen viel zu schnell über ein Kind geurteilt und es dadurch kategorisch in eine Schublade eingeordnet wird.

Ich finde diese Entwicklung wirklich schade und sie macht mich auch traurig! Denn Kindheit und Unbeschwertheit kann man im Nachhinein nicht mehr zurück holen! Nur selten besuchen Kinder, die sich bereits perfekt am sozialen Parkett bewegen können und auch schon ein Höchstmaß an Bildung erreicht haben, den Kindergarten. Geduldig begleiten und gemeinsam liebevoll lernen, heißen hier wohl die Zauberwörter.

 

Ich bin nicht da, um perfekt zu sein!

Ich bin da, um da zu sein!

 

 

In diesem Sinne würde ich es unheimlich schön finden, wenn wir alle, egal ob Eltern oder Pädagogen, versuchen viel öfter bewusst daran zu denken, Kinder einfach noch Kinder sein zu lassen.  

 

Nichts mehr versäumen: Mama vom Mond auf Facebook

 

 

 

Hinterlasse eine Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie sollten das verwenden HTML Schlagworte und Attribute: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*