/ April 8, 2018/ Liebesspiele

 

Anfang der Woche hatte ich mir vorgenommen, endlich etwas Romantisches für euch zu schreiben. Mit ganz viel Liebe und Gefühl. So richtig schön kitschig. Mitten ins Herz. Emotional unvergesslich. Kurz gesagt eine Mörder-Liebesgeschichte aus der Feder von Mama vom Mond. 

 

Poesie auf höchstem Niveau  – eine Liebeserklärung an die Liebe.

 Die perfekte Überschrift war schnell gefunden. „Wähh! Mami und Papi küssen!“ oder „Wähh! Mami und Papi kuscheln!“ Kurz, prägnant und doch mit so viel Aussagekraft. Eine Ode an die Liebe.

Doch ohne praktische Erfahrungswerte halt auch irgendwie blöd. Oder? Ich kenne zwar kuscheln, küssen und Papi.  Aber die Kombination Papi und kuscheln oder Papi und küssen? Hmmm…… nein, das ist mir dann doch irgendwie zu fremd seit wir Eltern geworden sind. Dunkle Erinnerungen daran habe ich natürlich schon noch. An unsere romantischen Anfangszeiten zwischen roten Rosen und Kerzenlicht-Bädern. Inmitten von verbotenen Liebesbotschaften und verführerischen Liebesbeweisen. (Ok, vielleicht ist das jetzt etwas übertrieben. Aber rote Rosen hab ich echt Mal bekommen).

Und ich kenns auch bestens aus dem Fernsehen oder von Leuten in der U-Bahn. Aber der Plan, wie das genau in der Praxis funktioniert fehlt mir leider mittlerweile. Theoretisch beherrsche ichs perfekt. Praktisch kann ich nicht mitreden. Tja, fällt wohl unter die Kategorie: Verjährung. Kann man nichts machen! Somit wärs wohl unseriös und unfair euch gegenüber, über etwas zu schreiben, wovon ich in Wirklichkeit gar keine Ahnung mehr habe. Ich schreibe ja auch nicht über mongolische Wüstenrennmäuse.

Gut, dann muss halt ein neues Thema her. Problem gelöst! Doch irgendwie lies mich die Geschichte nicht los. Es beschäftigte mich auch noch die Tage danach. Nicht meiner Ehe wegen. Oder dass ich jetzt traurig oder enttäuscht gewesen wäre. Oder unsere Liebe in Frage gestellt hätte. Nein! Sondern der Überschrift wegen. So ein tolles und durchdachtes Wortspiel kann man doch nicht einfach so kampflos aufgeben.

 

Ursachenforschung. Die einzige Möglichkeit Antworten zu finden, die Jagd nach dem verlorenen Schatz.

Die Rettung meiner Story. Was war passiert? Wann lösten Einkaufslisten und Jogginghosen unsere wilde Sturm- und Drangzeit ab? Was war aus den Tagen, die wir nur im Bett verbrachten, an denen wir uns mit Liebeserklärungen überhäuften und uns rund um die Uhr nur anhimmelten geworden?

 

 

Windeln statt Kaviar. Minidisco statt Salsa-Rhythmen. Bauch mach weg Hosen, statt Beate Uhse Dessous (ok, es war Skiny). Schnell war die Antwort gefunden. Das Rätsel gelöst. Wir waren Eltern geworden!

Was vermutlich nicht heißt, dass wir uns deswegen weniger lieben, oder unser Leben, weniger aufregend wäre. Sondern es ist anders. Anders schön. Anders erfüllend.

Zwischen Bob der Baumeister und verschollenen Kindersocken nach dem Waschen, ist es nicht immer so einfach Zeit für Romantik zu finden. Unsere großen Abenteuer spielen sich momentan am Spielplatz, beim Kinderarzt oder im Kindergarten ab. Wilde Nächte bedeuten für uns Kämpfe gegen Gespenster, Umsorgen von Wehwehchen oder Kinderfüße im Gesicht. Ausschlafen endet Samstags um halb 7, um kurz danach zu Pizzahut wild im Kreis zu hüpfen.

Wer von uns beiden nicht gerade malt, bastelt, singt, Fußball spielt, Feuerwehrmann Sam aus den Handschellen befreit oder ein Kinderbuch vorliest, versucht das Chaos in der Wohnung etwas zu reduzieren, längst überfällige Hausarbeiten zu erledigen oder bereitet das Essen vor. Toast ohne Käse, Fischstäbchen mit Ketchup, Erbsenreis ohne Erbsen. Unsere Gewohnheiten haben sich verändert. Mit Wundercreme verarzten wir Schürfwunden, vorm Haare föhnen schicken wir ein Stoßgebet in den Himmel und nach 20 Uhr sind wir einfach nur erledigt. Erledigt vom Tag, dem frühen Aufstehen, dem Job, dem Spielen, dem Fragen beantworten, dem Schimpfen, dem Umziehen, dem Erklären, dem Spaß haben, dem Abenteuer erleben, dem alles richtig machen wollen. Erledigt vom Eltern sein. Unsere Kraftreserven sind aufgebraucht.

 

Nachdem der Tag geschafft ist und Lausi schläft, erwartet uns ein Ort der Glückseligkeit.

Ein Ort des Nichtstuns und der Erholung. Eine Oase der Ruhe. Äußerlichkeiten, Frisuren, Outfitkombinationen oder BMI-Werte spielen hier keine Rolle. Du kannst sein wer du wirklich bist und bist zu nichts verpflichtet. Du hast keine Aufgaben zu erfüllen, noch muss sich dein Gehirn im Funktionsmodus befinden: UNSERE COUCH!

Wie im Swingerclub lautet das Motto: „Alles darf, nichts muss!“ (Hab ich mal wo gelesen). Und ich kann euch sagen, wir genießen diese Momente der Freiheit, diese Möglichkeiten des Tuns in vollen Zügen. Manchmal leben wir unsere wildesten Gedanken hemmungslos aus und trinken Cola direkt aus der Flasche oder laufen barfuß am kalten Boden. Es gibt Toast MIT Käse oder sogar Eis im Winter. Freaky oder?  Oft machen wir auch nur so crazy Dinge wie lesen, telefonieren oder miteinander reden. Dennoch schweigen wir uns an manchem Abenden aber auch einfach nur an. Nicht weil wir uns nichts zu sagen hätten (ich hab eigentlich immer etwas zu sagen). Sondern schlicht und einfach, weil Reden zu anstrengend und zeitaufwendig wäre. Den Energiefluss der Erholung stören würde. Und wenn uns beiden nach Romantik zu Mute ist, gucken wir „Wer wird Millionär“ einfach im Dunklen. Ganz ohne Licht! Komplett finster.  

Ja, wir sind noch immer wild und unzähmbar. Trotz unserer Elternrolle, trotz der vielen Herausforderungen. Wir habens schon noch drauf! An manchen Abenden machen wir sogar so verrückte Dinge wie in Ruhe (= länger als 10 Minuten) baden (natürlich getrennt, zu zweit würds platzmäßig kritisch werden) und manchmal haben wir sogar unsere Füße am Couchtisch oder reden mit vollem Mund.

Und Erotische Abenteuer? Na klar! Aber nicht heute! Morgen! Oder nächste Woche Mal. Heute sind wir zu müde. Und zu voll von den Chips und Gummibärchen. Außerdem spielt Rapid und ich hab Sodbrennen.

Mit schöner Unterwäsche? So wie früher? LOGO! ABER SICHER DOCH! So wie du mir  auch noch immer regelmäßig Liebes-SMS schreibst und Rosenblätter streust. So wie früher! Gute Nacht!

Stets in Reichweite natürlich das Babyphone. Denn jede Sekunde könnten unsere verrückten Liebesspiele ein Ende finden. Uns die Realität wieder einholen und elterliche Pflichten auf uns warten.

Ja es ist wohl gar nicht so einfach den Spagat zwischen Liebespaar und Elternpaar zu schaffen. Alle Bereiche perfekt abzudecken und die vielen wichtigen Bedürfnissen im Familienalltag immer zufriedenstellend zu lösen. Keine der Prioritäten zu vernachlässigen.

Die wahre Schwierigkeit daran liegt wohl darin, nicht nur mehr „bloß Eltern zu sein“, sondern auch noch Zeit und Energie für die Partnerschaft zu finden und füreinander spannend zu bleiben. Gefangen im Alltag meist kein leichtes Unterfangen. Aber wo ein Wille, da auch ein Weg.

Das Leben als Eltern hat uns verändert. Es hat uns stärker gemacht. Uns näher zueinander gebracht, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht immer so scheint. Es hat uns vervollständigt und wird ein Leben lang Beweis unserer Liebe sein. Es erfüllt uns jeden Tag aufs Neue mit Liebe und Stolz, auch wenn es noch so anstrengend und fordernd ist. So ist es doch das größte Geschenk auf Erden, Eltern sein zu dürfen und sich gleichzeitig noch zu lieben.

Unsere Grenzen lernen wir laufend aufs Neue kennen und wissen, dass wir es nur gemeinsam schaffen können und nur gemeinsam schaffen wollen. Gemeinsam als Mama und  Papa, gemeinsam als Mann und Frau. Gemeinsam mit unserer Liebe.

Und schon bald wird auch wieder genug Zeit und Energie für ein wildes Liebesleben und für romantische Abenteuer bleiben. Für gefühlsvolle Liebeserklärungen und kreative Überraschungen. Für Kuschelnachmittage, leidenschaftliche Küsse und ausgiebige Partynächte bis Mitternacht. Für Frühstück in Paris und ein Candle Light Dinner am Strand. (na gut, Frühstück halt irgendwo, nur nicht daheim). Und bis dahin?

Bis dahin werden wir auch weiterhin unsere wilden Phantasien hemmungslos zwischen 20 Uhr und 22 Uhr auf der Couch ausleben.

 

Nichts mehr versäumen. Mama vom Mond auf Facebook 

 

Bei etwaigen Firmennamen oder Produktarten / Produktnamen handelt es sich nicht um Werbung, sondern um zufällig gewählte Bespiele.

 

 

 

 

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